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Die Welt als Raumschiff: Richard „Bucky“ Fuller

Wir sind daran gewöhnt, dass der Tätigkeitsbereich eines Menschen sich relativ verständlich mit ein paar Worten beschreiben lässt. Nicht so bei Richard Buckminster Fuller. Sein Tätigkeitsbereich widerstrebt jeglicher Kategorisierung, und seine Arbeit war transdisziplinär zu einer Zeit, als es nicht einmal den Begriff gab. Und er selbst beschrieb seine Lebensaufgabe mit dem Satz: Für die Architektur ist „form“ ein Nomen, für die Industrie ist „form“ ein Verb, ich versuche das eine mit dem anderen zu verbinden.

Fuller war Designer, Architekt, Systemtheoretiker, Erfinder, Autor und Wissenschaftler, stets auf der Suche nach den Prinzipien, die das Universum durchwalten und die Evolution der Menschheit vorantreiben. Sein Ziel war es, „mehr mit weniger zu erreichen, sodass alle Menschen überall mehr und mehr haben können.“ Am Rande seines globalen Denkprozesses entstan-den diverse, zeitlos futuristische Projekte wie fliegende Häuser, aerodynamisch geformte 3-Rad-Autos oder geodätische Kuppeln, die die Ressourcen und Energien des „Raumschiffs Erde“ effizient und nachhaltig zu nutzen wussten. Fuller glaubte, dass alle Aufgaben des Designs und der Architektur mit Hilfe der Wissenschaft gelöst werden können. Seine populären Modelle und Bauten beschreiben allerdings nur im Ansatz den Reichtum seiner faszinierenden Gedankenwelt. Sein eigentlicher Nachlass ist ein wissenschaftliches Instrumentarium, das auch 40 Jahre nach seinem Tod niemand in vollem Umfang anzuwenden weiß.

Ganz streng genommen war Fuller kein richtiger Weltenbauer, denn er wollte keine neue Welt erschaffen, sondern die, die wir schon haben, so gut wie möglich für alle nutzbar machen, ohne irreversiblen Schaden anzurichten. Er selbst verglich die Aufgabe eines Menschen mit der eines Trimmers und war selbst dazu geboren, einer zu sein. Ein Trimmer ist ein kleines Schiffsteil, das den Druck im Lenkungsmechanismus so umverteilt, dass das Schiff in eine bestimmte Richtung geführt werden kann. Viele denken, dass alles unabhängig von ihnen geschieht. Aber sie könnten eine Entscheidung treffen und das ganze Staatsschiff in Bewegung bringen. Sie müssen einfach sagen: „Erlaubt es mir, ein Trimmer zu sein“.

von Sascha Maxim

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