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Imagine all the people – 13 Utopien zum Hören und Fühlen.

Komponisten und Songwriter hatten schon immer ein Ohr für die Zukunft. Mal träumten sie  vom besseren Menschen, mal vom Ende des Kapitalismus, mal im Gewand eines vermeintlich kleinen Pop-Songs, mal einer ausgewachsenen Symphonie, mal religiös, mal weltlich. Entdecken Sie ein paar der schönsten Utopien in unserer Playlist.

 

John Lennon/Beatles: “Imagine”

Die Utopie einer Welt ohne Hass und Gewalt. Erfunden und gesungen von einem, der Kunst und friedenspolitisches Engagement glaubwürdig in Einklang brachte.

 

Johann Sebastian Bach: Rezitativ und Arie „Am Abend, als es kühler war“ / „Mache dich mein Herze rein“ aus der „Matthäus-Passion“

Die Utopie des Aufgehobenseins im Glauben an den, der sich für alle geopfert hat.

In der „Matthäus-Passion“ erklingt diese Musik direkt nach der dramatisch vertonten Leidensgeschichte Jesu. Sie wirkt wie der Einstieg in die Seelenruhe dessen, der in der Passion Trost und Hoffnung findet. Hingebungsvoll gesungen in einem (technisch leider mäßigen) Live-Mitschnitt mit dem Bass-Bariton Michael Schopper.

 

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 2, 5. Satz

Die Utopie der Auferstehung nach dem Durchleben nachgerade apokalyptischer Qualen. Das „Ringen der Seele um Gott und um die eigene göttliche Existenz über dieses Leben hinaus“ (Mahler) mündet in eine der grandiosesten Apotheosen der Musik.

 

Zeca Afonso: „Grandola, Vila Morena“

Am 25.4.1974 gegen 0:20 Uhr wurde zuerst der Text dieses seinerzeit von der Zensur verbotenen Liedes im portugiesischen Radio gelesen, dann das ganze Lied gespielt: Das Zeichen zum Aufstand gegen das Regime des autoritären Machthabers Marcello Caetano, der Beginn der „Nelkenrevolution“ und des demokratischen Portugal.

 

Bernd Alois Zimmermann: „Die Soldaten“, Vorspiel

Das Meisterwerk des genialen Komponisten, der 1970 durch Freitod aus dem Leben schied und dessen 100. Geburtstag wir 2018 gedenken. Zimmermanns große Utopie: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht dem gnadenlosen Diktat der Sukzession zu unterwerfen – versinnbildlicht im ewigen Ticken der Uhr –, sondern der Zeit eine „Kugelgestalt“ zu geben, in der Gestern, Heute und Morgen ineinanderfließen. Seine aus dieser Idee entwickelte pluralistische Kompositionstechnik trägt der Vielschichtigkeit unserer Wirklichkeit Rechnung.

 

Charles Ives: „Universe Symphony“

In einem gigantomanischen Projekt wollte Ives schlichtweg alles musikalisch erfassen: Die Schöpfung, die Erde mit ihrer Evolution, den Himmel und die Auflösung alles Bestehenden im Spirituellen. Aufführungspraktisch ist die Symphonie die Utopie einer von äußeren Zwängen befreiten Welt: Mehrere Orchester sollten auf Hügeln und in Tälern platziert werden und zusammen eine hochkomplexe polyphone Partitur spielen. Das Werk blieb naturgemäß Fragment. Aber es existieren mehrere Visionen, wie es hätte klingen können…

 

Chico Buarque: „Vai passar“

Eine utopische Samba, die davon erzählt, wie die singende und tanzende Kraft des Karnevals die dunklen Schatten der Vergangenheit überwinden kann. Ein Dokument des Widerstands gegen das brasilianische Militärregime.

 

Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr. 32 c-Moll op. 111, Finale

Im Finale seiner letzten Klaviersonate scheint sich der vollständig ertaubte Komponist völlig von irdischen, menschengemachten und erdachten musikalischen Formen und Formeln zu lösen.

 

Frederic Rzewski: “The people united will never be defeated”

Ein riesiger Variationszyklus über das chilenische Widerstandslied „El pueblo unido, jamás será vencido“. Rzewski verbindet in den 36 Variationen die verschiedensten Musikstile, darunter Jazz, serielle Musik, Minimal, Folk und Polit-Song. Mit der Komposition setzte Rzewski zur 200-Jahr-Feier Amerikas 1976 ein unmissverständliches Statement gegen die Politik der USA, die am Putsch Pinochets maßgeblich beteiligt war.

 

Arnold Schönberg: 2. Streichquartett fis-Moll, 4. Satz „Entrückung“

„Ich fühle Luft von anderen Planeten“ – die Sopranstimme singt in diesem Satz einen Text Stefan Georges, wie er symbolträchtiger nicht sein könnte. In Georges Gedicht geht es um die Abreise von der Erde zu einem anderen Planeten. Auch die Musik „versucht, die Befreiung von der Gravitation darzustellen – das Passieren durch die Wolken in zunehmend dünnere Luft, das Vergessen aller Sorgen des Erdenlebens.“ (Schönberg) Ein Fanal für die von Schönberg wenig später konsequent vollzogene Befreiung der Musik von den Fesseln der Dur-Moll-Tonalität.

 

Peter Licht: „Lied vom Ende des Kapitalismus“

Wo andere kämpferische Parolen in die Welt schreien, singt PeterLicht vom Undenkbaren, als wär es das Selbstverständlichste von der Welt.

 

Dmitri Schostakowitsch: Symphonie Nr. 12, 4. Satz („Morgenröte der Menschheit“)

Schostakowitschs Zwölfte ist eine regelrechtes Revolutionsgemälde, das er zum 22. Parteitag der KPdSU komponierte. Die Folge: Der jahrzehntelang diffamierte Komponist wurde Mitglied der Partei. Eine sehr verquere Art der Wiedergutmachung. Die Symphonie ist ein atemberaubendes Breitwand-Spektakel und ein Versuch, noch einmal an die gute Sache zu glauben, die es doch nie wurde.

 

Judy Garland: “Somewhere Over The Rainbow”

Die wohl beliebteste Utopie: Das Leben wie im Traum

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