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Kreatvitätstechniken mit Mozart.

Mozart ließ sich vom Kegelspiel inspirieren, Schubert von der betriebsamen Wirtshaus-Atmosphäre und Churchill von kontemplativer Gartenarbeit. Tatsächlich hat jeder kreative Geist seine ganz eigene Masche entwickelt, um aus seinen kreativen Ressourcen zu schöpfen. Lassen Sie sich doch mal inspirieren.

Vergliche man Jobprofile der letzten zehn Jahre, würde man wahrscheinlich feststellen, dass entweder die gesuchten Mitarbeiter oder die Ausschreibungen selbst kreativer geworden sind. Überall besteht Bedarf nach Arbeitskräften, die um die Ecke und „out-of-the-Box“ denken und mit Leichtigkeit neue Lösungen für alte wie neue Probleme finden. Kreativität ist zum Gut geworden. Wer unkreativ ist, hat schlechte Karten.

Und doch sollte man nicht daran verzweifeln. Nicht nur für Joseph Beuys war jeder Mensch ein Künstler. Für Wissenschaftler steht fest, dass 98% aller 3–5 jährigen hochgradig kreativ sind, für den Linguisten und anarchistischen Intellektuellen Noam Chomsky ist Kreativität schon in der menschlichen Sprache angelegt, sie müsse nur weiter gefördert werden, würden nicht die machtgesteuerten Massenmedien andauernd versuchen, die Menschheit zu einer homogenen Masse konformer, passiver Konsumenten zu machen und jedweden schöpferischen Funken zu dämmen. Gefühlte Unkreativität scheint eher einem Missverständnis zugrunde zu liegen, gegen das es kreative Heilmittel gibt.

Die großen Geister unter den Musikern, Künstlern, Politikern und Philosophen wussten ganz genau, wie sie ihren Einfallsreichtum auf Hochtouren bringen können. Oft bestand ihre Kreativitätstechnik aus einer Verbindung von intensiver Gedankenarbeit und strategisch eingesetzten Ablenkungsmanövern. Heutzutage stellen Forscher einen Zusammenhang zwischen kreativem Schaffen und Zerstreuung fest. Wer kreativ sein will, muss auch loslassen können.

Für viele Dichter, Denker und Künstler war und ist der Spaziergang eine Technik, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen, Ideen zu generieren und etwas Neues über die Welt zu erfahren. Nietzsches tägliche, ausgedehnte Spaziergänge durch das Engadin oder Heideggers Wanderungen im Schwarzwald bis in die Dämmerung zeugen von der Produktivität dieser Art der Zerstreuung. Entsprechend schrieb Nietzsche, er könne „nur einem Gedanken trauen, der mindestens zehn Kilometer gewandert ist.“ Und Heidegger sagte in seiner typischen Manier: „Wenn die Rätsel einander drängten und sich kein Ausweg bot, half der Feldweg. Denn er geleitete den Fuß auf wendigem Pfad still durch die Weite des kargen Landes.“ So heißt das Motto seiner Gesamtausgabe auch „Wege, nicht Werke“.

Winston Churchill wiederum erholte sich von den Strapazen seiner politischen Schachzüge beim Gärtnern und Mauern auf seinem Anwesen, dem Landhaus Chartwell. Die grünen Hügel Kents überblickend, mauerte er stundenlang mit Ziegel und Mörtel – eine Meditationsübung, die ihm die nötigen Eingebungen zuteil werden ließ, das Vereinigte Königreich auf der großen politischen Weltbühne zu manövrieren.

Franz Schubert diente das Wirtshaus als Ort kreativen Schaffens. Ob er dabei der Not oder dem eigenen Trieb gehorchte, bleibt dabei ungeklärt: Sein exzessives Trinkverhalten führte nämlich nicht selten zu entsprechenden Trinkschulden, die er dann mit Kompositionen am Tresen beglich.

Über Wolfgang Amadeus Mozart erzählt man sich, dass er die Wartepausen zwischen dem Kegelspiel nutzte, um aus der körperlichen Ertüchtigung schöpferisches Potenzial zu schlagen. Das Kegelstatt-Trio sowie die Horn-Duos sollen so entstanden sein. Auch war Mozart ein passionierter Billardspieler und erdachte während des Spiels spontan einige seiner Kompositionen, die er seiner ungehaltenen Natur gemäß auf der Stelle niederschrieb. Als eine Mischung aus Körpereinsatz, Geschicklichkeit und Anwendung geometrischer Kompetenzen musste das Billard-Spiel wohl die Aufmerksamkeit des Komponisten gewinnen. Im 18. Jahrhundert hatte dieser in Frankreich entstandene Sport in Europa stark an Popularität gewonnen. „Es kann daher dieses Spiel die Stelle des Spazierganges vertreten, wenn wir uns im Sommer nicht der Sonnenhitze und im Winter nicht der Kälte aussetzen wollen“, schrieb Anton Baumann in seinem 1795 erschienen Bändchen „Gründlicher Unterricht und Regeln des Billard = Spieles“. Er wies damit schon vor über 200 Jahren darauf hin, dass man nicht unbedingt raus an die Luft muss, um sich zu Kreativitätszwecken zu ertüchtigen, Bewegung genügt.

Jedenfalls: Wenn es um Kreativität geht, ist Mozart eine der vielversprechendsten Quellen der Nachahmung. Er schrak zum Beispiel nicht davor zurück, ein neues, zu seiner Zeit noch kaum erprobtes Instrument wie die Klarinette in seine Kompositionen miteinzubeziehen – und gibt damit ein Beispiel vor, wie sich Voreingenommenheiten kreativitätshemmend und Offenheit kreativitätsfördernd auswirken kann. Aber nicht nur das: Mozart selbst gilt als kreativitätsfördernd. Der sogenannte Mozart-Effekt beschreibt, wie das Hören bestimmter Stücke klassischer Musik, insbesondere die Mozarts, Gehirnaktivitäten wie Konzentration und Kreativität positiv beeinflusst. Kein Geringerer als Albert Einstein sollte später davon profitieren.

Selbstverständlich ist auch dies kein für jedermann gültiges Rezept, aber glücklicherweise haben Forschung und Praxis viele Ressourcen darauf verwendet, Strategien zu finden, die aus uns Nicht-Genies ein kleines bisschen Mozart herauskitzeln können.

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