zurück

Mein Staat, mein Schloss, meine Welt: Ludwig XIV.

Es scheint auf den ersten Blick eine leichte Übung zu sein, aus einem unerschöpflichen Pool an Geld die allerschönste Welt zu bauen und dabei einen Abdruck in der Geschichte der Menschheit zu hinterlassen. In Wirklichkeit ist es nicht ganz so einfach. Viele haben in großem Reichtum gelebt, und nur die wenigsten haben es geschafft, eine ganze Epoche mit der eigenen Persönlichkeit zu füllen. Einer dieser Menschen war definitiv der Sonnenkönig, Ludwig XIV. Er war Elvis Presley, Donald Trump, Dschingis Khan und Jean-Paul Gaultier in einem. Ein Superstar und der größte Populist aller Zeiten, dessen Volk aus ihm alleine bestand. Jemand, der sagte „L'etat – c'est moi”, oder wenn auch nicht (die Zuschreibung des Satzes ist umstritten), es auf jeden Fall immer dachte.

Ein kluger Mann, der kluge Köpfe in seiner Regierung zusammenbrachte und kluge Liebhaberinnen wählte. Ihm haben wir Kristall-Kronleuchter, geschnitzte und vergoldete Spiegel-rahmen, Versailles und ein großes Stück unserer Frankophilie zu verdanken, sowie die Tatsache, dass in Rheinland-Pfalz heute infolge seines Stils der Kriegsführung ein paar Millionen Menschen weniger leben.

Diese einzigartige Mischung aus Pracht, Gold, Blut und Klugheit führte in den 72 Jahren der Herrschaft des Sonnenkönigs zu einer bedeutenden Stärkung der französischen Einheit sowie der militärischen Macht und politischen Stellung Frankreichs in Europa. Der Sonnenkönig war auch ein großer Förderer der Kreativen in Frankreich. Er begünstigte Künstler, Poeten, Dramatiker und Komponisten und machte seine Regierungszeit zur Zeit des Aufblühens der französischen Kultur, die wiederum eine gesamteuropäische Welle kultureller Veränderungen auslöste und als Grand Siècle in die Geschichte einging. Und letztendlich war Ludwig XIV. derjenige, der Napoleon Bonaparte später die Möglichkeit gab, „let’s make France great again“ überhaupt denken zu können.

Von Sascha Maxim

zurück