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Premier im Kuriositätenkabinett: Lewis Carroll

Lewis Carroll hat in seinem Leben nur drei Bücher geschrieben. Eins von ihnen war „Alice im Wunderland“, das es zum Musterbuch einer ganzen literarischen Gattung geschafft hat, dem Nonsens. Die Welt von Lewis Carroll ist somit eine Nonwelt. Eine Welt, die gleichzeitig keine ist, weil, wenn sie wäre, die Welt wie wir sie kennen, nicht so wäre wie sie ist. Und das kann doch eigentlich nicht sein? Womit man mitten in der Welt von Lewis Carroll wäre, nämlich in einem Paradox.

Alles beginnt harmlos, mit einem Hasen, der verspätet ist, und einer Alice, die neugierig ist. Sie folgt dem Kaninchen in seinen Bau, schlüpft in die Höhle, und fällt, erst langsam und dann schnell. Sie landet in einer Welt, die von Kuriositäten bevölkert ist. Alice trifft den verrückten Hutmacher, landet in einem See von Tränen und ist Gast auf einer Teeparty, wo nur Fragen diskutiert werden, auf die es keine Antworten gibt.

Was Alice widerfahren ist, fasziniert schon seit 150 Jahren Kinder wie Erwachsene auf allen Kontinenten. Es ist eine zeit-, sinn- und gesetzlose Welt, die ausschließlich nach dem Prinzip des Unsinns funktioniert. Als Leser wird man zum Komplizen dieser Realität und entdeckt nach und nach ihr sinnstiftendes Potenzial. Wenn auch gegen jede Logik, so lernen wir mit Alice, dass es auf viele Fragen nun mal keine Antworten gibt und dass verschiedene Aufgaben verschiedene Körpergrößen erfordern. Und wenn wir uns heute umschauen und die allgegenwärtig betriebene Sinn-Verweigerung – den alltäglichen, weltlichen Nonsens – beobachten, dann kommt es einem nicht unwahrscheinlich vor, dass irgendwo in der Nähe auch noch ein mit einem karierten Jackett bekleidetes, ungeduldig auf die Zeit schauendes Kaninchen auf uns wartet.

Von Sascha Maxim

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