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Vorsprung durch Kreativtechnik.

Zehn Tricks, die Ihre Gehirnmuskeln auf Hochleistung bürsten.

Jeder Mensch ist kreativ – so das Versprechen der Kreativratgeber, eine Sachbuchgattung, die sich im Höhenflug befindet, seitdem die Wirtschaft die Ressource Kreativität zum Öl des 21. Jahrhunderts gekürt hat. Was die Titel verschweigen: Jeder Mensch ist von Natur aus mit unterschiedlichem kreativen Talent bedacht. Doch kann man durch Training und Technik entsprechende Defizite wieder wettmachen. Diese 10 Tricks verleihen übrigens selbst phantasielosesten Gehirnen Flügel.

1. Die Negativkonferenz

Sie suchen eine Lösung zu einem Problem, haben ihr Gehirn durchströmt und durchströmt, kommen aber einfach nicht weiter? Die sogenannte Negativkonferenz dreht den Spieß um: nicht Lösungen, sondern mehr und mehr Probleme werden gesucht, der Sachverhalt wird minutiös auseinander gelegt, Schwachstellen und potentiell störende Aspekte werden überbetont. Durch die Anhäufung negativer Szenarien kommen verschiedene Lösungen wieder zum Vorschein. Und dann heißt es wieder: positiv denken!

2. Just move it.

Wer denkt, dass Kreativität eine reine Frage des Geistes ist, hat falsch gedacht. Neben einer gewissen Geistesverfassung spielt die körperliche Aktivität eine nicht geringere Rolle in der Anstachelung unseres kreativen Outputs. Höhere Mengen Dopamin werden ausgeschüttet, was die Euphorie und folglich unser Assoziationsvermögen steigert. Ob man nun spazieren geht, schwimmt, Yoga macht oder Gewichte hebt, ist egal, die Hauptsache ist, dass sich etwas bewegt.

3. Wasser

Wasser ist der Ursprung allen Lebens – und bildet somit auch das Fundament einer beliebten Kreativitätstechnik: Duschen. Erhöhte Dopaminausschüttung, ein paar ruhige Momente mit sich und seinem Körper und die reinigende Kraft des Duschwassers können wohl als Gründe dafür angeführt werden. Einer Studie zufolge gaben immerhin 72 % der Kreativen an, dass ihnen die guten Ideen beim Duschen kommen. Steve Jobs spezialisierte diese Technik, indem er routinemäßig seine Füße ins Wasser legte, während er auf der Toilette saß. Extremer geht’s natürlich auch: Der Erfinder der Floppy Disk, Nakamatsu Yoshirō, tauchte tief unter Wasser bis zum Sauerstoffentzug und schrieb dann seine Ideen auf ein Unterwasser-Klebepad.

4. Schatztruhe

Richten Sie sich auf Ihrem Arbeitsplatz einen physischen und/oder digitalen Ordner ein, in den Sie einmal am Tag etwas reinlegen, was Ihre Aufmerksamkeit für sich einnehmen konnte. Egal ob eine schöne Streichholzschachtel, ein GIF oder ein Gedicht – alles darf, nichts muss. Immer wenn Sie vor einem Problem stehen, schauen Sie in den Ordner und erinnern Sie sich an die schönen Gedanken, Bilder, Texte und Objekte, die Sie schon längst vergessen haben: recyclete Inspiration.

5. Richtig schlafen

Hier gibt es keine Regel, bis auf die, dass jeder seinen eigenen, Kreativitität maximierenden Schlafmodus finden muss. Ernest Hemingway zum Beispiel war ein Morgenbursche. Er stand um fünf Uhr morgens auf, um ungestört sich warm zu schreiben. Benjamin Franklin nutzte die Morgenstunden, um seinen Tag zu strukturieren. Kafka hingegen war ein Nachtarbeiter – mit der Work-Life-Balance hatte er nicht viel am Hut. Leonardo da Vinci, der bekannteste Vertreter des polyphasischen Schlafs, schlief alle vier Stunden für 15 Minuten. Honoré de Balzac war ein strenger Frühschläfer, der um 18 Uhr zu Bette ging und kurz nach Mitternacht erwachte. Charles Darwin und Thomas Mann setzten auf einen erholsamen Mittagsschlaf.

Wie viel Schlaf der Mensch braucht, scheint an sich unerheblich. Es kommt darauf, selbst den Schlaf zu beherrschen, nicht andersherum.

6. Kollaboriert!

Kreativität ist nicht immer ein Alleingang. In kleinen Teams lässt es sich oft überraschender und innovativer denken. Dabei ist es natürlich wichtig, dass die kreative Gruppe aus Leuten besteht, die ein Mindestmaß an Gemeinsamkeiten, aber auch genügend Unterschiede haben. Zu einer gegebenen Zieldefinition lassen sich auf diese Weise schnell viele Ideen zusammentragen, die dann selektiert und ausgearbeitet werden können.

7. Blau machen

Studien zufolge beeinflussen Farben unser Arbeitsverhalten. Blaue Räume erhöhen die Produktivität bei kreativen Aufgaben, während rote Räume bei analytischen Aufgaben die Leistung steigern. Und aus der Kunst kennen wir natürlich die blauen Perioden der entsprechenden Künstler: Matisse, Picasso und Miró widmeten ganze Phasen dieser Farbe, während Yves Klein so besessen von Blau war, dass er sich sein eigenes unter der Bezeichnung International Klein Blue patentieren ließ.

8. Mach was mit den Augen

Sehen kann trainiert werden. Durch schnelle Augenbewegungen, sie nach links und rechts drehen, nach oben und nach unten, stoßen wir auf Ungesehenes, Ungedachtes, Unerahntes. Das Gute an dieser Kreativtechnik ist, dass sie zeitsparend, total umsonst und mobil verträglich ist.

9. Microdosing

Dass LSD Nehmen etwas mit einem macht, dessen geistig-neuronale Sprengkraft gewöhnliche Annahmen über Kreativität überschreitet, ist hinreichend bekannt. Seit Neuestem verbreitet sich aber ein alltagstauglicher Gebrauch der Substanz, der das Denkvermögen nur so sehr weitet, dass er nur der Kreativität und Produktivität zugute kommt – ohne gleich die Realität mit zu verändern. Vor allem im Silicon Valley, der Hochburg der zeitgenössischen Kreativität, ist Microdosing der letzte Schrei unter den Tech-Karrieristen. Einfach 10 Milligramm Lysergsäurediethylamid alle paar Tage, und: tada!

10. Stift und Papier

Legen Sie endlich mal die Tatstatur beiseite und schreiben Sie mit Stift und Papier. Die Veränderung der haptischen Grundlage Ihrer Kommunikation mit sich und der Welt wird Ihnen neue Perspektiven auf Ihre Gedanken, Querverbindungen und Bedeutungen erschließen. Kreativ sein heißt nicht zuletzt, andere, eben auch alte, in Vergessenheit geratene Wege zu gehen. Und das, was ganz deutlich der Vergessenheit anheim gegeben ist, ist die Möglichkeit des Lebens ohne den Screen.

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